Nur noch wenig erinnert an die über 4000 Sportler, die auf vier Bühnen und in der Schänzlehalle eine Mischung aus Akrobatik, Tanz, Turnen, Gymnastik und Schauspiel zeigten. Doch sowohl Teilnehmer als auch Einwohner und Touristen werden die imposante Großveranstaltung wohl nicht so schnell vergessen, als Konstanz zur Straße der Gymnastik wurde.
Die 400 Schauvorführungen waren manchmal dramatisch, meistens lustig, aber immer auffällig. Jeder der 200 Vereine hatte sich eine außergewöhnliche Choreographie ausgedacht mit selbst geschneiderten Kostümen und schauspielerischen Elementen. So setzten die „Monster“ aus Biberach auf den Überraschungseffekt und hatten nicht einmal die Moderatorin eingeweiht. Susanne Gertz wartete vergeblich auf der Bühne, denn die zehn Tänzer hatten sich zwischen den Zuschauern versteckt und kletterten erst zur Musik auf das Podium. Die Überraschung kam an, die „Monster“ bekamen eine Einladung zur Matinee der Besten und Susanne Gertz wurde am Ende auch noch ihre Frage zum zeitlichen Aufwand los. Zwei Wochen lang hätten die Tänzer ihre Kostüme bereits an, behauptete Trainerin Sandra Paas. Doch das entsprach nicht ganz der Wahrheit: „Wir haben sie gestern noch im Zug fertig genäht“, gab die Trainerin schließlich zu.
Auffällig war auch die Jazz-Band-Gruppe aus Singen. Die neun Damen zeigten Gymnastik an langen silbernen Stäben. Ein einzigartiges Accessoire mit einer besonderen Geschichte dahinter. Denn die Tanzgruppe, die seit 25 Jahren gemeinsam auftritt, hat die ehemals braunen Stäbe als Souvenir von der Weltgymnaestrada mitgebracht. Die älteren Damen haben also bereits Erfahrung mit Gymnaestraden, für Dagmar Wenzler-Beger war es dennoch eine Belastung. Eigentlich steht die Trainerin sonst mit auf der Bühne, wollte sich den Stress diesmal aber nicht zumuten. Vor der Bühne musste sie jedoch feststellen, dass es dort auch nicht weniger aufregend ist. „Immer fällt einer der Stäbe“, beschwerte sie sich.
Zwischen den vielen Auftritten nahmen sich die Künstler dann auch mal Zeit für sich selbst beim umfangreichen Rahmenprogramm. Lisa Kuhnen, Melanie Bayr, Karolin Kroll und Christina Wittchen nutzten die Wasseraktionen auf Klein Venedig und fuhren mit einem Kanu auf den See hinaus. „Die vielfältigen Aktionen machen das ganze Wochenende noch viel interessanter“, freute sich Lisa Kuhnen. Die Kanutour war dann aber doch etwas zu gemächlich. Melanie Bayr: „Jetzt müssen wir erst einmal shoppen gehen.“
Den sprichwörtlichen Überblick bei all den Vorführungen behielten Heike und Jan Seehausen. Von ihrer Dachterrasse aus beobachteten sie, wie die Vereine die Stimmung anheizten und die Marktstätte sich immer mehr füllte. Sie selbst klatschten und tanzten zusammen mit Sohn Arne, der von der Musik begeistert war und das Spektakel von hoch oben genoss. Heike Seehausen: „Es sind super Auftritte und der Ausblick von hier ist natürlich gigantisch.“
Während die Schauvorführungen sich dem Ende näherten, gab es in der Schänzlehalle noch einige Galas zu bewundern. Sie krönten das großartige Programm der Landesgymnaestrada, doch die Schauvorführungen standen ihnen in nichts nach. Gerhard Mengesdorf, Präsident des Badischen Turner-Bundes: „Die Gymnaestrada ist eine Plattform für die Vereine, sich zu präsentieren. Sie zeigen tolle Vorstellungen und begeistern die Menschen.“
Quelle: Südkurier, 6.06.2011